4. Deutschland-Barometer Depression: Studie zeigt Folgen für die psychische Gesundheit infolge der Corona-Pandemie

Nachricht vom 10.11.2020


Die Depression gehört zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Derzeit erkranken jährlich ca. 5,3 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression.

Die Corona-Pandemie stellt an Depression Erkrankte immer wieder vor kaum überwindbare weitere Herausforderungen. Die Folgen für die psychische Gesundheit infolge der Pandemie-Maßnahmen wurden mit Hilfe einer Online-Befragung im Sommer untersucht und nun als 4. Deutschland-Barometer Depression veröffentlicht.

Die Ergebnisse hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe zusammen mit ihrem Förderpartner Deutsche Bahn Stiftung am 10. November in einer digitalen Konferenz vorgestellt.

Depressiv Erkrankte sind besonders durch Maßnahmen belastet

Die Untersuchung zeigt, dass Menschen mit Depression deutlich stärker von den Folgen der Corona-Maßnahmen betroffen sind als die Allgemeinbevölkerung.

Erkrankte hatten nicht mehr Angst, sich anzustecken als die Allgemeinbevölkerung (43 % vs. 42 %), aber der Lockdown wurde im Vergleich zur Gesamtbevölkerung als deutlich belastender erlebt (74 % vs. 59 %). So leiden Betroffene fast doppelt so häufig unter der fehlenden Tagesstruktur (75 % vs. 39 %).

In der häuslichen Isolation blieben depressiv Erkrankte zudem deutlich häufiger tagsüber im Bett als die Allgemeinbevölkerung (48 % vs. 21 %). 

„Menschen in einer Depression sind hoffnungslos und erschöpft. Eine fehlende Tagesstruktur erhöht das Risiko, dass sich Betroffene grübelnd ins Bett zurückziehen. Lange Bettzeiten können die Depression jedoch weiter verstärken. Ein Teufelskreis beginnt“, erläuterte auf der Konferenz Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Inhaber der Senckenberg-Professur an der Goethe-Universität Frankfurt/Main.

Während die Allgemeinbevölkerung (58 %) dem veränderten Leben in der Corona-Krise auch Positives abgewinnen kann (z.B. den Frühling bewusster erlebt hat), war dies bei depressiv Erkrankten weniger der Fall (38 %). Auch Wochen nach dem ersten Lockdown fühlen sich Betroffene durch die Situation belastet. Im Juli 2020 gaben 68 % der depressiv Erkrankten und nur 36 % der Allgemeinbevölkerung an, die Situation als bedrückend zu empfinden.

Schlechtere Versorgung und Betreuung

Auch zeigt die Untersuchung, dass die Corona-Maßnahmen zu massiven Einschnitten in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen führen: Jeder zweite Betroffene (48 %) berichtet von ausgefallenen Behandlungsterminen beim Facharzt oder Psychotherapeuten während des Lockdowns. Jeder zehnte an Depression erkrankte Befragte erlebte sogar, dass ein geplanter Klinikaufenthalt nicht stattfinden konnte. 13 % der Betroffenen gaben an, von sich aus Behandlungstermine aus Angst vor Ansteckung abgesagt zu haben.

„Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche und dringend behandlungsbedürftige Erkrankung. Hochgerechnet auf die Bevölkerung in Deutschland haben mehr als zwei Millionen depressiv erkrankte Menschen eine Einschränkung ihrer medizinischen Versorgung mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen durch die Corona-Maßnahmen erlebt. Nur bei Beachtung dieser negativen Folgen kann die richtige Balance gefunden werden – eine Balance zwischen Leid und Tod, die durch die Corona-Maßnahmen einerseits möglicherweise verhindert und andererseits konkret verursacht werden“, betont Hegerl.

Mehr Akzeptanz für digitale und telefonische Behandlung

14 % der Patienten, die aktuell an einer Depression leiden, haben in der Corona-Zeit zum ersten Mal das Angebot der Videosprechstunden oder telefonische Behandlungen genutzt. Um Versorgungslücken entgegen zu wirken, erhielten Ärzte und Psychotherapeuten im Frühjahr 2020 die Möglichkeit, Videosprechstunden oder telefonische Behandlungen bei den Krankenkassen abzurechnen. Es zeigt sich, dass Patienten mit den Telefon- und Video-Sprechstunden beim Psychotherapeuten sehr zufrieden sind: 82 % bzw. 85 % bewerten diese positiv.

Im Zeitverlauf zeigt sich eine größere Akzeptanz digitaler Angebote: Beim ersten Deutschland-Barometer Depression 2017 sahen 40 % der depressiv Erkrankten Online-Programme als hilfreiche Unterstützung an, jetzt sind es 55 %. Auch Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes nahmen in dieser Zeit ab (von 70 % auf 55 %). 

Die Deutsche Bahn Stiftung fördert die bundesweit repräsentative Befragung von Beginn an.  

„Die psychische Gesundheit ist für uns seit Jahren eines der zentralen Themen. Wir möchten helfen, über die Krankheit Depression aufzuklären, auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen und für die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen zu sorgen. Die Förderung des Deutschland-Barometers Depression ist uns daher ein äußerst wichtiges und nachhaltiges Anliegen“, sagt Jenny Zeller, Geschäftsführerin der Deutsche Bahn Stiftung.

Weitere Informationen
Studienergebnisse
Infografiken
Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Ergebnisse zusammengefasst

Große Belastung für Betroffene

Schlechtere Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen

Digitaler Kontakt zu Behandlern

Digitale und telefonische Hilfen etablieren sich

Online-Programme gewinnen an Akzeptanz

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