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Der Menschlichkeit verpflichtet

„Zweimal in der Woche behandle ich mit meinen Kollegen Obdachlose in der Ambulanz der Berliner Stadtmission am Hauptbahnhof. Viele von ihnen sind schwerstkrank. Lungenentzündungen, Leberzirrhosen, Tuberkulose sowie schwere und infizierte Wunden erleben wir regelmäßig. Wir müssen schnell und auch ohne große technische Hilfsmittel die richtige Diagnose stellen, denn wir wissen nicht, wann wir die Patienten wiedersehen. Sich gezielt auf den Weg zu machen, unsere Öffnungszeiten im Blick zu haben, ist für viele Wohnungslose schon ein Hindernis. Unser Ziel ist es, die Menschen an uns zu binden, sie dazu zu bringen, ihre Krankheit ernst zu nehmen. Wie bei der Neunzehnjährigen, die seit Jahren wohnungslos und drogenabhängig ist. Sie hat eine schwere Hepatitis C, ihr Zustand ist lebensbedrohlich. Bei uns bekommt sie ihre Medikamente, auch ohne Papiere und Krankenversicherung. Es ist das erste Mal in ihrem Leben, dass sich jemand um sie kümmert, wie sie selbst sagt. Wenn sie weiterhin regelmäßig zu uns kommt, können wir ihr helfen.“

Dr. Jutta Herbst-Oehme ist Internistin und setzt sich seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich für Obdachlose ein. Im Winter versorgt sie Wohnungslose nicht nur tagsüber in der Ambulanz, sondern auch an ein bis zwei Nächten pro Woche in der Notübernachtung der Berliner Stadtmission.